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Wann kommt die Besinnlichkeit

Seit vielen Jahren verbrachten wir dieses Jahr wiedermal Weihnachten in der Heimat.
Immerhin lebe ich ca. 600 km entfernt und es ist schon deshalb etwas ganz Besonderes, alle meine Lieben zu sehen. Dieses Jahr ist der Anlass also ein christliches Fest. Christlich! Nun bin ich aber in der ehemaligen DDR aufgewachsen und jeder der die Gegend kennt, weiss, dass dort geschätzte 90% der Bevölkerung atheistisch lebt und glaubt, oder eben nicht glaubt.

Ich finde es dennoch schön, dass dieses Fest auch unter der sozialistischen Regierung mit ein paar kleinen Abwandlungen bis heute überlebt hat. Ich erinnere mich, dass sich meine weise Grossmutter schon vor Jahren zum  Nichtschenken bekannt hat. Es gab seither für alle Kinder und Enkelkinder etwas Schoggi und ein paar Kröten Taschengeld. Darüber haben wir uns in jungen Jahren eh am meisten gefreut. Heute müsste das auch nicht wirklich sein.
Doch dieses Jahr die Überraschung: Meine Oma, couragiert wie man sie kennt, macht es so wie immer. Die anderen aber auch. Sie schenken seit Jahren fröhlich weiter. So lagen unterm Tannenbaum teure und einfache Geschenke, alle von Herzen ausgewählt und eingepackt. An den Feiertagen gab es üppige Mahlzeiten und nicht mal das bescheidene Mahl am Heiligabend erinnerte mich noch an meine Kindheit, denn damals gab es nur Kartoffelsalat und Wiener. Heute jedoch stehen dort etliche Fleisch- und Wurstsorten, Käse und Salate. Ich kämpfe mich also durch und versuche trotz dem vielen Essen und Geschenken (die sogar ich als einmaliger Weihnachtsgast bekomme) ein wenig Andacht zu finden.

Ich schäme mich ein wenig über unsere Verschwendung und das Gejammer über die zugenommenen Kilos. Ich schäme mich, dass ich nicht einen einzigen Augenblick dazu komme, über die Bedeutung von Weihnachten zu sinnieren. Besinnliche Weihnachten. Aus yogischer Sicht kann man mit einem vollen Bauch weder klar denken noch meditieren. Ich werde müde und dumpf, bekomme noch ein Geschenk und versinke in dem Überfluss. Beginne über die Gewohnheiten zur urteilen.
 

Wieder zu Hause finde ich zur Ruhe, habe die spirituell geladene Zeit verpasst und esse ein paar Tage ausgesprochen wenig, um meinen geistigen Frieden wieder zu finden. In einem Yoga-Heft (Yoga! Das Magazin) lese ich, dass man erst erleuchtet ist, wenn man es auch im Kreise seiner Familie schafft, yogisch zu sein. Wie wahr.

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